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Frank Goosen
"Liegen lernen"
Eichbornverlag, Frankfurt am Main 2000


"Liegen lernen" ist der erste, viel gelobte und ungewöhnlich erfolgreiche Roman des Bochumer Autors Frank Goosen. Er schildert die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens in den 80er Jahren von der Schulzeit über das Studium bis zur Berufsfindung und späten Familiengründung: "Die 80er waren keine gute Zeit, um erwachsen zu werden, jedenfalls keine Zeit, auf die man voller Sentimentalität zurückblicken kann". Der Roman beginnt Anfang der 80er und endet Ende der 90er Jahre, umfasst also ziemlich genau die Ära Kohl, die wie ein Menetekel den geschilderten Ablauf der Ereignisse begleitet.




Das Buch ist flott geschrieben, sehr unterhaltsam, manchmal witzig, gelegentlich ordinär. Der originelle Titel trifft den Inhalt genauer als man zunächst vermutet. Tatsächlich spielt sich das meiste im Leben des Titelhelden im Liegen ab. Spätestens beim dritten Mal weiß man, dass jede neue Frau, die im geschilderten Gang der Ereignisse auftritt, wenige Seiten später das Bett mit ihm teilt, wobei die umfänglich geschilderten Beschäftigungen eine Liebe des Autors zum Detail erkennen lassen, die den politischen Ereignissen vorenthalten bleibt. Wenn dieser Schwerpunkt der Beschäftigung für die damalige Generation typisch gewesen sein sollte, waren die 80er Jahre tatsächlich keine besonders gute Zeit, jedenfalls keine Zeit, auf die man voller Sentimentalität zurückblicken müsste.




Wirklich herausragend an diesem Erstlingsroman ist die liebevolle Behandlung, die der Verlag seinem neuen Autor zukommen ließ. Buchgestaltung und Einband nehmen die umfangreiche Sammlung an Schallplatten und CDs grafisch auf, deren einzelne Titel den Erzähler immer wieder zu mancherlei Assoziationen veranlassen. Und so, wie die gute alte Vinylschallplatte für die Auflage auf dem Plattenteller genau in der Mitte ein kleines rundes Loch hat, so findet sich auch auf dem Cover mitten auf dem roten Etikett ein winziges kreisrundes Loch, und darunter, auf dem Bucheinband, ein einsamer silberner Punkt. Das hat Klasse. Und mindestens das bleibt in Erinnerung.


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