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Ludwig Fels
Hottentottenwerft
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2015


Gäbe es so etwas wie Gerechtigkeit in der Welt der Literatur, genauer gesagt im handfesten Geschäft der Preisverleihungen, hätte zumindest in der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2015 dieser Titel erscheinen müssen: „Die Hottentottenwerft“, ein Roman von Ludwig Fels. Der Autor schildert darin auf ebenso eindrucksvolle wie bedrückende Weise das Schicksal eines jungen Soldaten, den es Anfang des 20. Jahrhunderts zu den sogenannten Schutztruppen in die deutsche Kolonie Südwest verschlägt, das heutige Namibia. Dies ist ein dunkles Kapitel unserer Geschichte, das in Deutschland sowohl zeitlich wie geografisch so weit entfernt scheint, das es im öffentlichen Bewusstsein kaum noch eine Rolle spielt – ganz anders als in Namibia selbst, wo die deutsche Besatzung und die von ihr begangenen Verbrechen noch sehr präsent sind.



Dem in Österreich lebenden Autor Ludwig Fels gelingt es, mit ausdrücklich frei erfundenen Figuren und Ereignissen einen tatsächlichen Konflikt lebendig werden zu lassen: „Und trotzdem handelt der Roman im weitesten Sinne von der Wahrheit und ihren Folgen“, schreibt Fels. Am Ende scheitern alle Protagonisten, in dem sie verlieren, was sie gewinnen oder bewahren wollen. Das Buch verdient wegen seiner literarischen Qualität nicht weniger Aufmerksamkeit als für seine historischen Lektionen.



Den Deutschen Buchpreis 2015 erhält Frank Witzel für "Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969". Wieder ein Stück schwieriger deutscher Geschichte.


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