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Wolf Biermann
Barbara: Liebesnovellen und andere Raubtiergeschichten
Ullstein Verlag, Berlin 2019


Die alte Theaterweisheit, „was gestrichen ist, kann nicht mehr durchfallen“, gilt auch für Biographien, schon gar für Autobiographien. Wer sich bei seinen Erinnerungen nicht nur auf seine Erinnerungen, sondern darüberhinaus auf umfangreiche, womöglich lebenslange Aufzeichnungen stützen kann, wie Wolf Biermann mit seinen unerschöpflichen Tagebüchern, muss am Ende mehr streichen als ihm lieb sein mag, wenn ein pralles, erstaunliches und beachtliches Lebenswerk zwischen zwei Buchdeckel passen soll. Dies ist ihm mit seiner großen, nicht nur voluminösen Autobiographie „Warte nicht auf bessre Zeiten“ grandios gelungen. Manche interessante, amüsante oder amouröse Episode ist dabei dem strengen Urteil des Lektors oder seiner Frau Pamela zum Opfer gefallen. Wer das neue Buch mit dem eher irreführenden Titel liest, versteht auch, warum: was man von diesem großen Liedermacher, politischen Agitator und streitbaren Autor unbedingt wissen sollte, einschließlich der außerordentlichen Lebensumstände in zwei grundverschieden-ähnlichen deutschen Staaten, hat man im ersten großen Buch erfahren. Und was man im zweiten dünneren lesen kann, das muss und will man so genau nun auch nicht wissen.

Raubtiergeschichten.


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