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Christopher Clark
Von Zeit und Macht. Herrschaft und Geschichtsbild vom Großen Kurfürsten bis zu den Nationalsozialisten
DVA, München 2018


Es kommt nicht häufig vor, dass sorgfältige wissenschaftliche Studien nicht nur in der Fachwelt Aufmerksamkeit erzielen, sondern auch eine breite Öffentlichkeit erreichen. Christopher Clark, Professor für Neuere Europäische Geschichte in Cambridge, ist dies vor einigen Jahren mit seiner grandiosen Schilderung der Ursachen und Anfänge des ersten Weltkrieges gelungen. Sein neues Buch über das Verhältnis von Zeit und Macht und den Wandel von Geschichtsbildern unter konkreten politischen Regimen ist wieder ein großer Wurf und ein beeindruckender Nachweis der Kompetenz wie der Relevanz einer politisch sensiblen Geschichtswissenschaft, das von international hochangesehenen Historikern zu Recht als „Meisterwerk“ gewürdigt wird.



Am Beispiel des Großen Kurfürsten, von Friedrich dem Großen, Otto von Bismarck und den Nationalsozialisten verdeutlicht Christopher Clark, wie sehr sich jedenfalls in der jüngeren deutschen Geschichte und nicht nur dort die Vorstellung und Wahrnehmung von Zeit und Geschichte, von Macht und Staat verändert hat: „Wie die Schwerkraft das Licht, so beugt die Macht die Zeit“. Der erste Satz dieses erstaunlich gelehrten und zugleich lesbaren Buches setzt die Perspektive auf komplexe, eher unauffällige Zusammenhänge und Veränderungen, die keineswegs nur von akademischem Interesse sind, sondern aufschlussreiche Bezüge zu aktuellen Entwicklungen in Zeiten global zunehmender nationalistischer und populistischer Bewegungen aufweisen, für die der Sammelbegriff der “Postmoderne” wohl eher Ausdruck der Ratlosigkeit ist.



Wer sich nicht nur für laufende Ereignisse und/oder handelnde Personen interessiert, sondern für deren Zusammenhänge, sollte dieses Buch gelesen haben - mindestens die Einleitung und den Epilog: ganze vierzig Seiten, die nachhaltig die Augen dafür öffnen, was Politik und Geschichte voneinander unterscheidet und unlösbar miteinander verbindet.


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