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Jutta Limbach
Hat Deutsch eine Zukunft? Unsere Sprache in der globalisierten Welt
C. H. Beck-Verlag, München 2008


Die Frage des Buchtitels beantwortet sich fast von selbst: natürlich hat Deutsch eine Zukunft.


Welche Zukunft unsere Sprache in der globalisierten Welt haben wird, weiß natürlich auch die Autorin nicht, aber sie hat klare Vorstellungen sowohl von den Herausforderungen wie den Chancen, die unter längst gründlich veränderten Wettbewerbsbedingungen für alte wie neue Weltsprachen zu erkennen sind.




Für Jutta Limbach ist dieses Buch „als ein bescheidener Dank für das schönste Ehrenamt gedacht, das die Bundesrepublik Deutschland zu vergeben hat“. Der früheren Präsidentin des Goethe-Instituts liegt naturgemäß die unlösbare Verbindung von Sprache und Kultur ebenso nahe wie der langjährigen Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes der offensichtliche Zusammenhang von Sprache und Integration. Deswegen ist ihr Plädoyer für Vielsprachigkeit und den Schutz jeder Muttersprache ebenso folgerichtig wie ihr Hinweis auf die Notwendigkeit deutscher Sprachkenntnisse als Voraussetzung sozialer Integration und als Bedingung für den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit. „Aus dem verfassungsrechtlichen Verbot, jemanden wegen seiner Sprache zu benachteiligen, folgt nicht etwa die Verfassungswidrigkeit dieser Bedingung der Einbürgerung.“




Auch wenn der Traum von der Weltsprache längst ausgeträumt ist, für Französisch und Spanisch im übrigen kaum weniger als für Deutsch, ist Jutta Limbach um die Zukunft der deutschen Sprache nicht bange, schließlich wird sie von 83 Millionen Menschen als Muttersprache und innerhalb der Europäischen Union von über 60 Millionen als Fremdsprache gesprochen; auf der Liste der am häufigsten gelernten und verwendeten Sprachen rangiert Deutsch in Europa an zweiter und weltweit an achter Stelle. Kein Grund also zu übertriebener Besorgnis, allerdings auch nicht zu voreiliger Genugtuung. Manche Schlampereien und Albernheiten im Umgang mit der eigenen Sprache sind ebenso ärgerlich wie der leichtfertige Ehrgeiz, bei internationalen Konferenzen lieber die begrenzten Fremdsprachenkenntnisse vorzuführen als sich in der eigenen Sprache präzise auszudrücken.




Jutta Limbach empfiehlt mit überzeugenden Argumenten Gelassenheit und Souveränität gegenüber beiden Versuchungen: „Nationale Überheblichkeit, ein übersteigertes Sendungsbewusstsein wie linguistische Kammerjägerei machen weder eine Kultur noch eine Sprache attraktiv“. Wie die angemessene Balance zwischen Übertreibungen und Vernachlässigungen zu halten oder zu finden ist, darüber kann man allerdings trefflich streiten – und sollte es auch tun. Der Vorschlag, die eigene Landessprache im Grundgesetz zu verankern, so wie es zahlreiche Staaten innerhalb und außerhalb Europas in ihrer Verfassung getan haben, gehört dazu. Warum eigentlich soll die Landessprache für das Selbstverständnis und die Identifikation der Menschen mit ihrem Land weniger wichtig sein als die Festlegung der Hauptstadt oder der Nationalflagge?




Juli 2008


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