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Doris Lessing
Das fünfte Kind
Hoffmann und Campe, 2008


Wer von den vielen Romanen und Erzählungen der vielfach preisgekrönten Autorin noch nichts gelesen hat, sollte mit diesem Buch vielleicht besser nicht beginnen. Denn es erfordert über die Neugier hinaus ein gewisses Maß an Disziplin, um über die ersten siebzig, achtzig in Stil und Inhalt gleichermaßen konventionellen Seiten hinweg durchzuhalten, bevor der Roman sein Thema findet und der Stoff den Leser erreicht.




Ein junges Paar mit einem geradezu missionarischen Eifer zur Gründung einer möglichst großen und möglichst perfekten Familie wird zum tragischen Opfer des eigenen Anspruchs. Das fünfte Kind, das sich schon vor der Geburt durch eine geradezu aggressive Lebhaftigkeit auszeichnet, entwickelt sich so anders als seine Geschwister, so unkindlich, bösartig, animalisch, dass es die zunehmend verzweifelte Liebe seiner Eltern ebenso überfordert wie den Sachverstand wechselnder Ärzte und schon gar die Hilfsbereitschaft einer verstörten Nachbarschaft.




Doris Lessing schildert in einer ungewöhnlich schlichten Sprache ein außergewöhnliches Ereignis, das weder vorhersehbar noch beherrschbar war, eine rundum glückliche Familie aus den Fugen geraten und schließlich zerbrechen lässt. Die einfühlsame Beobachtung einer privaten Alltagsgeschichte, die als Verheißung beginnt und als Tragödie endet, vermittelt neue Einsichten in die natürlichen Grenzen menschlicher Existenz und die Unwiderstehlichkeit von Naturgewalten, die nicht nur Landschaften treffen können, sondern auch Menschen.




Dezember 2008


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