Moses und Aron
Bochum, Jahrhunderthalle
Wer diese Zeilen liest, hat das Ereignis bereits verpasst. Es gibt nicht allzu viele Bücher, Filme, Schauspiele oder Opernaufführungen, die man Zeit seines Lebens nicht vergisst. Diese Produktion der Ruhrtriennale gehört sicher dazu. Moses und Aron gilt als eines der schwierigsten, anspruchsvollsten, aufwendigsten Werke des gesamten Opernrepertoires, Willy-Deckers-Inszenierung wird für lange Zeit Maßstäbe setzen, nicht nur für Arnold Schönbergs Opus Magnum. Die Integration von Architektur und Raum, Sprache und Musik, Licht und Bild, Solisten, Chor und Orchester ist nahezu perfekt: Kaum je war eine Opernproduktion dem Ideal eines Gesamtkunstwerkes näher. Dale Duesing und Andreas Conrad sind in ihren jeweiligen Rollendebüts glänzende Besetzungen der Titelrollen, die Bochumer Sinfoniker festigen den Ruf eines Spitzenorchesters, dass sie sich bei der schon legendären Produktion von Werken Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“ erworben haben.

Die eigentliche Sensation dieser Aufführung ist das Chorwerk Ruhr. Was dieses junge Konzertensemble ohne regelmäßige Opernerfahrung stimmlich und gestisch, schauspielerisch und musikalisch leistet, ist außerordentlich und in der perfekten Verbindung von Gesang, Bewegung und Gestaltung atemberaubend.

Willy Decker zeigt mit seiner Eröffnungspremiere, wozu große Festivals in der Lage sind, wenn man ihnen Aufgaben stellt, die im Repertoirebetrieb auch großer Häuser nicht zu leisten sind.

Die Eröffnungspremiere der 3. Ruhrtriennale lässt fast keine Wünsche offen – außer der heimlichen Hoffnung, dass es über die tausend Besucher dieser Spielzeit hinaus für mindestens weitere fünftausend Zuhörer und Zuschauer eine weitere Gelegenheit geben könnte, diese ungewöhnliche, im besten Sinne des Wortes spektakuläre Aufführung zu sehen.

Marigold. Ein Stück mit Songs der Beatles von Burkhart Klaußner
Bochum, Schauspielhaus, Uraufführung 17. Januar 2009
„Magical Mystery Tour“. Immer dann, wenn man die von Schauspielern mehr oder weniger genau intonierten unsterblichen Beatles-Songs erkennt, lässt sich der Abend ertragen – vor allem, wenn man die Augen schließt und das Elend auf der Bühne nicht mehr sieht.

Richtig gut ist die Band, durchaus bemüht die Schauspieler, unter denen Christoph Pütthoff einmal mehr demonstriert, dass er auch als Entertainer sein Geld verdienen könnte, völlig belanglos dagegen das Stück, das alle unsäglichen Librettos dieser Welt in ihrer erbarmungswürdigen Hilflosigkeit bestätigen zu wollen scheint… „Help!!!“

Magisch ist an diesem Abend gar nichts und mysteriös nur, wie eine solche Produktion ins Repertoire eines renommierten Schauspielhauses gerät.

Gold vor Schwarz
Der Essener Domschatz auf Zollverein, Oktober 2008
Noch vor seiner Eröffnung feiert das RuhrMuseum mit dieser Ausstellung eine glanzvolle Premiere. In der ehemaligen Kohlenwäsche der zum Weltkulturerbe erklärten früheren Zeche Zollverein wird der Nachweis geführt, dass die Kulturgeschichte des Ruhrgebiets wesentlich älter ist als seine Industriegeschichte und ganz gewiss nicht weniger eindrucksvoll.

Über 200 Exemplare aus dem Essener Domschatz: Urkunden, Reliquiare, Kreuze, Kronen, Skulpturen, Schmuck und Gewänder, deren Entstehen bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht, vermitteln einen Eindruck von der kulturellen Bedeutung und dem künstlerischen Reichtum des Essener Damenstiftes, das um 850 von Bischof Altfrid gegründet wurde und bis zur Säkularisation unter Kaiser Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts Bestand hatte.

Nie war der Essener Domschatz so umfassend zu sehen und so eindrucksvoll inszeniert wie in den dunklen Kulissen des Kohlebunkers einer vergleichweise kurzlebigen Zeche. „Gold vor Schwarz“ zeigt nicht nur eine historische Reihenfolge an. Die Ausstellung ist die adäquate Eröffnungsinszenierung für Essen und die Ruhr als europäische Kulturhauptstadt 2010.


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