Tibet - Klöster öffnen ihre Schatzkammern
Essen, Villa Hügel
Wenn diese Ausstellung am Ende aus irgendeinem Grund doch nicht zustande gekommen wäre, wegen unüberwindlicher politischer, finanzieller oder versicherungsrechtlicher Probleme, und nur der Katalog erschienen wäre, hätte sich die Anstrengung der letzten Jahre für dieses außergewöhnliche Projekt bereits gelohnt. Kaum jemals zuvor hat es eine auch nur annähernd vergleichbare Präsentation tibetischer Kunst und ihres kulturellen und religiösen Kontextes gegeben, schon gar nicht eine wissenschaftliche Aufarbeitung im Westen teilweise bislang unbekannter, jedenfalls noch nie öffentlich gezeigter Exponate.

Der Katalog zur Ausstellung beschwert durch sein außergewöhnliches Gewicht und begeistert durch den Reichtum nicht nur glänzend fotografierter Exponate, sondern auch durch den Inhalt, der das Buch zu einem Nachschlagewerk über Tibet, den Buddhismus und Kunst und Kultur dieses Landes macht. Neben fachkundigen Erläuterungen zur tibetischen Malerei, der buddhistischen Kunst, tantrischer Rituale und selbstverständlich zu Klöstern und zum Potela-Palast werden die buddhistischen Gottheiten und Lehrmeister in Tibet mit grandiosen Skulpturen und herausragenden Beispielen ihrer Insignien und Gebrauchsgegenstände, Schreine und Altargeräte, rituellen Musikinstrumente und Masken präsentiert, bis hin zu lebenspraktischen Empfehlungen auf einer großformatigen Thangka über das Thema „gesundheitsförderndes Verhalten“, auf der ebenso konkrete wie originelle Empfehlungen zur Überwindung von Schlafschwierigkeiten und anderer mehr oder weniger ernsthafter Herausforderungen des täglichen Lebens geboten werden.

Der Katalog enthält neben weiterführenden Literaturhinweisen eine synchronoptische Übersicht zum Buddhismus in Tibet in der Zeit 500 n. Chr. bis 1940, der die politische und kulturelle Entwicklung in Tibet in den Kontext der gleichzeitigen Entwicklungen Indien und Sri Lankas sowie Zentralasiens stellt.

Lässt man den zutreffenden Einwand beiseite, dass die Ausstellung die gnadenlose Zerstörung tibetischer Klöster und Kunstgegenstände durch das kommunistische China ausblendet, dessen Berücksichtigung freilich die Ausstellung nicht hätte zustande kommen lassen, ist die Fülle und Qualität der hier zum Teil erstmals aus Klöstern für eine Ausstellung zusammengetragenen Kunstwerke eine Sensation. Die Aussicht, sie nach Ende der Laufzeit auf der Villa Hügel Anfang 2007 auch in der Hauptstadt in den ostasiatischen Sammlungen der Dahlemer Museen sehen zu können, bietet eine zusätzliche Gelegenheit, sich in diese fremde faszinierende Welt zu vertiefen.

Das Trojanische Boot
Bochum, Ruhr-Triennale
Das Auftragswerk der Ruhr-Triennale ist den Ankündigungen zum Trotz weder „die erste Operette des 21. Jahrhunderts“ noch überhaupt eine solche. Auch der Titel führt in die Irre: mit einem Boot hat das musikalische Machwerk wenig, mit Troja gar nichts zu tun. Dafür benötigt die Aufführung weder eine Bühne noch Kulissen, lediglich viel Blech der edelsten Sorte.

Mnozil Brass, die sieben virtuosen Blechbläser mit einem inzwischen legendären Ruf, reden, singen und blasen ohne alle Regeln der jeweiligen Kunst zu einem abenteuerlichen Libretto, das jedes operngeübte Vorstellungsvermögen sprengt, einen ganzen kurzweiligen Abend lang und entlassen schließlich ein seliges Publikum mit der festen Überzeugung, niemals zuvor einen so ausgeprägten Blödsinn auf so brillantem musikalischen Niveau gehört zu haben.

"Harald Schmidt"
ARD, 23.12.04
Wenn diese Sendung für irgend etwas gut ist, dann als Nachweis für die Illusion, die Programme der sogenannten öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten könnten oder wollten sich substantiell vom eher seichten, unterhaltungs- statt informationsorientierten Angebot der privaten Sender unterscheiden. Für diese dünne Suppe, albern und witzlos, im Abendprogramm der ARD kann es nur die eine traurige Begründung geben: die Leute wollten so etwas sehen, koste es, was es wolle …

Zu dem märchenhaften Vertrag, in dem der WDR seinem ins öffentlich-rechtliche, gebührenfinanzierte (!) Fernsehen heimgekehrten Meister Harald Schmidt die fantastische Gage von 120.000 € für jeweils 30 Minuten Abendunterhaltung zugesagt haben soll, fällt einem fast nichts mehr ein. Oder doch: fast zeitgleich hat der Bayerische Rundfunk, der andere große ARD-Sender, die Auflösung seines Rundfunk-Orchesters und damit die Entlassung von rund 70 hochqualifizierten Musikern angekündigt, um neun Mio. € im Jahr zu sparen – eine Mio. weniger, als die ARD bzw. der WDR sich jährlich die Harald-Schmidt-Show kosten läßt …

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