Wallraf-Richartz-Museum
Köln
Das neue Wallraf-Richartz-Museum gehört zu den Kultureinrichtungen, bei denen man sich nicht sicher ist, ob das Gebäude oder die Sammlung mehr beeindruckt. Der Neubau des international renommierten Kölner Architekten Oswald Mathias Ungers, in dessen direkten örtlichen Umfeld sich im Mittelalter die bedeutenden Werkstätten der Kölner Goldschmiede und Maler befanden, ist ein nahezu perfektes Gehäuse für die eindrucksvolle Sammlung herausragender Altarbilder und Gemälde aus verschiedenen Jahrhunderten. Auf drei großzügig gestalteten Geschossen mit einer variablen Raumgeometrie und auf die Exponate jeweils abgestimmter unterschiedli-cher Farbgebung kommen die mittelalterlichen Altäre sowie die Gemälde und Skulpturen vom Barock bis zum 19. und frühen 20. Jahrhundert glänzend zur Geltung. Dabei gibt es bei der Anordnung der Exponate eine kluge Verbindung von Chronologie und lokalen Bezügen, die durch großzügige Glasfronten in die Ausstellungsräume hineingeholt werden. Auch das verglaste Treppenhaus greift den alten historischen Gassenverlauf auf und bindet das Museum an die einstige Wohnadresse des berühmtesten Kölner Malers Stefan Lochner, der im neuen Wallraf-Richartz-Museum durch die Architektur wie durch seine Werke eine doppelte Würdigung erfährt.


Georgien - Schätze aus dem Land des Goldenen Vlies
Bochum, Deutsches Bergbau-Museum
Georgien - Schätze aus dem Land des Goldenen Vlies Deutsches Bergbau-Museum, Oktober 2001 bis Mai 2002

Selten ist aus der wissenschaftlichen Zusammenarbeit deutscher und georgischer Metallurgen ein so glanzvolles, die breite Öffentlichkeit faszinierendes Ergebnis ent-standen wie in dieser Sonderausstellung des Deutschen Bergbau-Museums. Die Identifizierung und Restaurierung von Ausgrabungsfunden, deren Alter bis ins vierte Jahrtausend vor Christus zurück reicht und die bislang auch die internationale Fach-welt noch nie zu sehen bekam, ermöglicht einen eindrucksvollen Überblick über den georgischen Erzbergbau der Antike auf der Grundlage von Kupfer, Bronze, Eisen und Gold. Die Ausstellung verfolgt den Weg des Rohstoffes über die Verarbeitung zu Schmuck und Alltagsgegenständen, verdeutlicht die Handelswege aus Innerasien zum Mittelmeer und zeigt so, warum das sagenumwobende antike Kolchis, das heu-tige Georgien die Begehrlichkeit seiner Nachbarn weckte: Nach der griechischen Mythologie segelte Iason mit seinen Argonauten von Griechenland bis an die Ost-küste des Schwarzen Meeres, um mit Hilfe von Medea das Goldene Vlies, das Sym-bol für unermeßlichen Reichtum, zu erobern.

Um das in Deutschland heute weithin unbekannte Land Georgien der Öffentlichkeit näher zu bringen, werden über die grandiosen Ausstellungsstücke hinaus mit teil-weise multimedialen Mitteln Land und Leute, Geschichte, Geographie, Wirtschaft und Kultur vorgestellt.

DER PARASIT
Bochum, Schauspielhaus
Ein höchst unterhaltsames, zugleich hintergründiges Stück von Friedrich Schiller, das er nicht einmal selbst geschrieben, immerhin vom französischen Original ins Deutsche übertragen und dramaturgisch veredelt hat, inszeniert vom neuen Intendanten Matthias Hartmann. "Der Parasit" behandelt das zeitlos aktuelle Thema der beruflichen Karriere unter schamloser Ausnutzung der Kompetenz anderer Menschen. Die Hauptfigur wird von Michael Mertens mit einer fast schwindelerregenden Virtuosität verkörpert. Man muss das Stück nicht für große Literatur halten, die Inszenierung nicht für einen großen Wurf, aber wer diese Aufführung nicht gesehen hat, verpasst vielleicht das brillanteste Finale, das gegenwärtig auf deutschen Theaterbühnen zu sehen ist, genau gesagt gleich drei Fassungen, eine verrückter als die andere und nicht weniger plausibel als die jeweils vorhergehende Version. Am Ende entschließt man sich spontan, wieder zu kommen - und sei es auch nur für den Schluss.


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