Kunstquartier Hagen
Emil-Schumacher-Museum und Karl-Ernst-Osthaus-Museum, Hagen
Es gelingt nur selten, erfolgreich an eine längst versunkene Vergangenheit anzuknüpfen. Ausgerechnet in Hagen, einer mittelgroßen, unauffälligen Stadt am Rande des Ruhrgebietes, scheint zu glücken, was anderswo scheitert oder erst gar nicht versucht wird. Dort hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Industrielle Karl-Ernst Osthaus aus einem beachtlichen ererbten Vermögen eine noch beachtlichere Kunstsammlung und schließlich das weltweit erste Museum zeitgenössischer Kunst aufgebaut, dessen legendäre Bestände freilich nach seinem Tod von der aufstrebenden Industriestadt Essen aufgekauft und als „Sammlung Folkwang“ Grundstock eines der wichtigsten deutschen Museen für moderne Kunst wurde.

Die Eröffnung des neuen Emil-Schumacher-Museums in unmittelbarer Nachbarschaft und baulicher Verbindung mit dem zwischenzeitlich fast in Vergessenheit geratenen, damals richtungweisenden Museumsbau ist nicht nur ein grandioser Rahmen zur Präsentation des künstlerischen Schaffens eines der herausragenden deutschen Maler des 20. Jahrhunderts, sondern eine bemerkenswerte Revitalisierung des Folkwang-Konzeptes, das im erneuerten und erweiterten Osthaus-Museum mit einer großen Christian-Rohlfs-Retrospektive eine glanzvolle Widerauferstehung feiern kann.

Die konzeptionelle und architektonische Verbindung des Altbaus mit dem neuen Museum ist ein Glücksfall für Hagen und die gesamte Region – und zugleich unter der virtuellen Patronage von Emil Schumacher, einem Großmeister des „Informel“, so etwas wie die informelle Eröffnung der europäischen Kulturhauptstadt Ruhr 2010.

Moses und Aron
Bochum, Jahrhunderthalle
Wer diese Zeilen liest, hat das Ereignis bereits verpasst. Es gibt nicht allzu viele Bücher, Filme, Schauspiele oder Opernaufführungen, die man Zeit seines Lebens nicht vergisst. Diese Produktion der Ruhrtriennale gehört sicher dazu. Moses und Aron gilt als eines der schwierigsten, anspruchsvollsten, aufwendigsten Werke des gesamten Opernrepertoires, Willy-Deckers-Inszenierung wird für lange Zeit Maßstäbe setzen, nicht nur für Arnold Schönbergs Opus Magnum. Die Integration von Architektur und Raum, Sprache und Musik, Licht und Bild, Solisten, Chor und Orchester ist nahezu perfekt: Kaum je war eine Opernproduktion dem Ideal eines Gesamtkunstwerkes näher. Dale Duesing und Andreas Conrad sind in ihren jeweiligen Rollendebüts glänzende Besetzungen der Titelrollen, die Bochumer Sinfoniker festigen den Ruf eines Spitzenorchesters, dass sie sich bei der schon legendären Produktion von Werken Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“ erworben haben.

Die eigentliche Sensation dieser Aufführung ist das Chorwerk Ruhr. Was dieses junge Konzertensemble ohne regelmäßige Opernerfahrung stimmlich und gestisch, schauspielerisch und musikalisch leistet, ist außerordentlich und in der perfekten Verbindung von Gesang, Bewegung und Gestaltung atemberaubend.

Willy Decker zeigt mit seiner Eröffnungspremiere, wozu große Festivals in der Lage sind, wenn man ihnen Aufgaben stellt, die im Repertoirebetrieb auch großer Häuser nicht zu leisten sind.

Die Eröffnungspremiere der 3. Ruhrtriennale lässt fast keine Wünsche offen – außer der heimlichen Hoffnung, dass es über die tausend Besucher dieser Spielzeit hinaus für mindestens weitere fünftausend Zuhörer und Zuschauer eine weitere Gelegenheit geben könnte, diese ungewöhnliche, im besten Sinne des Wortes spektakuläre Aufführung zu sehen.

Marigold. Ein Stück mit Songs der Beatles von Burkhart Klaußner
Bochum, Schauspielhaus, Uraufführung 17. Januar 2009
„Magical Mystery Tour“. Immer dann, wenn man die von Schauspielern mehr oder weniger genau intonierten unsterblichen Beatles-Songs erkennt, lässt sich der Abend ertragen – vor allem, wenn man die Augen schließt und das Elend auf der Bühne nicht mehr sieht.

Richtig gut ist die Band, durchaus bemüht die Schauspieler, unter denen Christoph Pütthoff einmal mehr demonstriert, dass er auch als Entertainer sein Geld verdienen könnte, völlig belanglos dagegen das Stück, das alle unsäglichen Librettos dieser Welt in ihrer erbarmungswürdigen Hilflosigkeit bestätigen zu wollen scheint… „Help!!!“

Magisch ist an diesem Abend gar nichts und mysteriös nur, wie eine solche Produktion ins Repertoire eines renommierten Schauspielhauses gerät.

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