Marigold. Ein Stück mit Songs der Beatles von Burkhart Klaußner
Bochum, Schauspielhaus, Uraufführung 17. Januar 2009
„Magical Mystery Tour“. Immer dann, wenn man die von Schauspielern mehr oder weniger genau intonierten unsterblichen Beatles-Songs erkennt, lässt sich der Abend ertragen – vor allem, wenn man die Augen schließt und das Elend auf der Bühne nicht mehr sieht.

Richtig gut ist die Band, durchaus bemüht die Schauspieler, unter denen Christoph Pütthoff einmal mehr demonstriert, dass er auch als Entertainer sein Geld verdienen könnte, völlig belanglos dagegen das Stück, das alle unsäglichen Librettos dieser Welt in ihrer erbarmungswürdigen Hilflosigkeit bestätigen zu wollen scheint… „Help!!!“

Magisch ist an diesem Abend gar nichts und mysteriös nur, wie eine solche Produktion ins Repertoire eines renommierten Schauspielhauses gerät.

Gold vor Schwarz
Der Essener Domschatz auf Zollverein, Oktober 2008
Noch vor seiner Eröffnung feiert das RuhrMuseum mit dieser Ausstellung eine glanzvolle Premiere. In der ehemaligen Kohlenwäsche der zum Weltkulturerbe erklärten früheren Zeche Zollverein wird der Nachweis geführt, dass die Kulturgeschichte des Ruhrgebiets wesentlich älter ist als seine Industriegeschichte und ganz gewiss nicht weniger eindrucksvoll.

Über 200 Exemplare aus dem Essener Domschatz: Urkunden, Reliquiare, Kreuze, Kronen, Skulpturen, Schmuck und Gewänder, deren Entstehen bis ins 9. Jahrhundert zurückreicht, vermitteln einen Eindruck von der kulturellen Bedeutung und dem künstlerischen Reichtum des Essener Damenstiftes, das um 850 von Bischof Altfrid gegründet wurde und bis zur Säkularisation unter Kaiser Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts Bestand hatte.

Nie war der Essener Domschatz so umfassend zu sehen und so eindrucksvoll inszeniert wie in den dunklen Kulissen des Kohlebunkers einer vergleichweise kurzlebigen Zeche. „Gold vor Schwarz“ zeigt nicht nur eine historische Reihenfolge an. Die Ausstellung ist die adäquate Eröffnungsinszenierung für Essen und die Ruhr als europäische Kulturhauptstadt 2010.


La Bohéme, Regie Robert Dornheim
mit Anna Netrebko und Rolando Villazón, Oktober 2008
Welche Erwartungen! Und welch ein Ergebnis!!

Die Versuchung, nach der grandiosen Salzburger La Traviata das neue Traumpaar der Oper über das Kino einem möglichst großen Publikum nahezubringen, war offensichtlich unwiderstehlich. Die Produktion ist es allerdings nicht.

Auf breiter Leinwand, in altbackenen Studiokulissen, mit viel Kunstschnee und voller akustischer Dröhnung, als ginge es um eine Pink Floyd-Verfilmung, stirbt nicht nur Anna Netrebko als Mimi, sondern Puccinis La Bohème einen rührseligen Bühnentod. Der Weg zwischen Kunst und Kitsch ist manchmal nur kurz, und diesmal mit fünf Millionen Euro gepflastert. Ein Film zum Abgewöhnen: weder für Cineasten noch für Opernfans.


<< 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 ...13 >>

Mehr über Norbert Lammert erfahren Sie hier...

impressum  
© 2001-2021 http://norbert-lammert.de